Neuere Kunst- und Gewerbe-Museen V. – Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.

Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.

Architekt: Franz Brantzky in Köln a. Rh.
Eine Reihe von Jahren hindurch fristete das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln, welches durch Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung vom 28. April 1887 als eine Frucht der das ganze westliche Europa seit mehr als einem Vierteljahrhundert durchziehenden kunstindustriellen Bewegung mit den in dieses Gebiet gehörenden Beständen des Wallraf-Richartz-Museums in Köln als Grundstock gegründet wurde, ein nur bescheidenes Dasein in den Räumen der ehemaligen Taubstummen-Anstalt an der Rechtschule.

Eine Anzahl werthvoller Schenkungen, bedeutende jährliche Zuschüsse und die emsige Thätigkeit des unter dem Vorsitz des Hrn. Geh. Brth. Pflaume zum weiteren Ausbau des Museums begründeten Kunstgewerbe-Vereines hatten ein so rasches Wachsthum der Sammlungen zur Folge, dass sich das Gebäude an der Rechtschule bald als unzulänglich erwies. Eine nur vorübergehende Abhilfe wurde im Jahre 1892 dadurch erzielt, dass die Abtheilung für Möbel in der städtischen Schule am Gereonswall und die Bibliothek im Tempelhause in der Rheingasse untergebracht wurden. De Zustände der gezwungenen, die Verwaltung ungemein erschwerenden Dezentralisation erhielten im Jahre 1895 Aussicht auf Beseitigung, als der Geh. Kommerz.-Rth. Otto Andreae der Stadt Köln ein Geschenk von 400 000 M. machte, welches diese in den Stand setzte, der Errichtung eines Neubaues für das Museum näher zu treten. Es wurde im Bereiche der alten, zur Ringstrasse umgewandelten Wälle ein günstig gelegener Bauplatz ausgewählt und aufgrund eines in einem allgemeinen Wettbewerbe errungenen Sieges Hr. Arch. Franz Brantzky in Köln mit der Aufstellung der Ausführungspläne betraut. Mit welchem Erfolge er sich dieser interessanten Aufgabe widmete, zeigen die beistehenden Abbildungen.

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Das auf eine Erweiterung auf beinahe die doppelte Grundfläche angelegte Gebäude nimmt, wie der Lageplan zeigt. den östlichen Theil des Hansaplatzes am Hansaring ein. Es ist an die Front der Bremer Strasse herangerückt, um die erhaltenen Ueberreste der Gereonsmühle und eines Theiles der alten Kölner Stadtmauer in ihrem malerischen Aufbau nicht zu verdecken, sondern mit ihnen eine anziehende, aus Kunst und Natur geschaffene Gruppe zu bilden. In dieser baut sich das Museum als eine geschlossene Baugruppe auf; die Anlage. ist eine streng symmetrische mit dem Haupteingang am Hansaring. Wenn diese auch ausserordentlich übersichtlich und zweckmässig erscheint, so wiesen die günstigen Verhältnisse des Platzes doch auch auf eine gruppirte Lösung hin, welche sich am Hansaplatz, in der Richtung Nord-Süd entwickeln und engere Beziehungen zur Gereonsmühle knüpfen konnte. Es hätte dann das neue Gebäude unter Umständen als östliche Platzwandung mit starken Vorlagen und Rücksprüngen erscheinen können. Vielleicht aber waren die Möglichkeit leichter Erweiterung und geschlossenen Bestandes des einstweilen errichteten Theiles des Gebäudes die Gründe für die Ausführung in der Weise, wie sich das Haus jetzt aufbaut. Dieses erhebt sich in Sockel-, Erd- und Obergeschoss; ein hohes Dachgeschoss ist in nur bescheidenem Umfange ausgebaut. Als Stil ist die kölnische Spätgothik mit ihrem Uebergange in die Frührenaissance gewählt; die letztere überwiegt im Inneren des Gebäudes. Als Material ist durchweg Haustein verwendet; die Materialbehandlung lässt sich aus unseren Abbildungen wohl erkennen.

Lageplan
Lageplan
Grundrisse
Grundrisse

In der Anlage bietet das Gebäude ein nahezu quadratisches Rechteck dar, dessen Räume sich um einen inneren Lichthof lagern, dessen Maasse – rd. 17 m in der Breite und 14,5 m in der Tiefe – eher bescheidene als grosse genannt werden können, welcher aber in seinen Grössenverhältnissen nicht nur den Eindruck einer vollkommen ausreichenden Anlage macht, sondern welcher daneben auch den für ein kleines Kunstgewerbe-Museum vielleicht noch werthvolleren Eindruck einer gewissen Intimität erregt und dadurch die in ihm aufgestellten Gegenstände zu einer ihrer Bedeutung entsprechenden Wirkung kommen lässt. Das hohe Sockelgeschoss enthält die Hausmeister-Wohnung, Pack- und Vorrathsräume, Räume für die Heizung usw., und kann zumtheil auch für Sammlungszwecke nutzbar gemacht werden. Das Haus wird durch eine sehr stattliche gewölbte Vorhalle betreten, von welcher unsere Beilage ein Bild giebt, und an welcher zur Linken die Räume für die Verwaltung, rechts Garderobe mit Kasse und ein Kopierraum liegen. An diese beiden Räume schliessen sich, sofort in die Augen fallend, die schlicht anglegten, aber weiträumigen Treppenhäuser an. Um den Lichthof lagern sich in natürlicher Weise 9 Säle und Zimmer, in welchen, unter Zuhilfenahme der Gänge des Lichthofes, 12 Gruppen der Sammlungen zur Aufstellung gelangt sind. Die gleiche Eintheilung wiederholt sich im Obergeschoss, welches weitere 11 Sammlungsgruppen birgt, derart, dass über der Vorhalle Bibliothek und Lesesaal liegen, von der Vorderfassade bis zum Lichthof durchreichend, welchen rechts und linke die ganze Ausdehnung der Vorderfront einnehmend, ein Zeichen- und ein Büchersaal angegliedert sind. Diese Raumgruppe, die auch zu Tageszeiten benutzt wird, zu welchen die kunstgewerblichen Sammlungen geschlossen sind, kann von den übrigen Sammlungsräumen in einfacher Weise abgeschlossen werden.

Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.
Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.
Architektur eines Seitenganges
Architektur eines Seitenganges

Ein bemerkenswerther Raum des Obergeschosses ist der Pallenberg-Saal an der Südfront des Gebäudes; als eine Stiftung eines kunstsinnigen Kölner Bürgers, des Besitzers der bekannten Anstalt für Innenausstattung in Köln, wurde sein Entwurf dem Maler Melchior Lechter in Berlin übertragen und es werden an seine demnächst bevorstehende Eröffnung grosse künstlerische Erwartungen geknüpft. Ob sie gerechtfertigt werden, erscheint nach dem getheilten Eindruck, welchen der allerdings nicht vollständige Saal bei seiner Aufstellung in der Weltausstellung von Paris auf die Besucher machte, nicht ganz ohne Zweifel. Ueber die Art der Aufstellung der sehr gewählten Sammlungen in den einzelnen Räumen, wie sie in feinfühliger und die Gegenstände zur besten Wirkung bringenden Weise durch Hrn. Dir. O. v. Falke geleitet wurde, möge der auf unserer Beilage abgebildete Raum mit Gegenständen aus der Zeit der Kölnischen Spätrenaissance Rechenschaft ablegen. In einem Kunstgewerbe-Museum, welches mehr sein will, als ein Magazin für eine Sammlung wethvoller Gegenstände, sind die gegenseitigen Beziehungen von Raum und Gegenstand von grösster Bedeutung. In dem neuen Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh. erscheinen sie allenthalben glücklich gewahrt, soweit dies bei der naturgemässen Lückenhaftigkeit einer solchen Sammlung möglich ist.

Ansicht der Vorhalle im Erdgeschoss
Ansicht der Vorhalle im Erdgeschoss
Ansicht des Zimmers für kölnische Spät-Renaissance im Erdgeschoss
Ansicht des Zimmers für kölnische Spät-Renaissance im Erdgeschoss

Die Ausführung des Baues erfolgte durch das Hochbauamt der Stadt Köln unter der Oberleitung des Hrn. Stadtbrth. Heimann; die besondere Bauleitung übten nach einander die städtischen Architekten Hrn. Gerlach und Wisch aus. Die Maurer-, Putzer- und die anderen hier einschlägigen Arbeiten hatte die Firma Besser in Köln übernommen; die Steinmetz-Arbeiten in Heilbronner Sandstein lieferte die Firma Winterfelt in Miltenberg a. M., die Steinmetzarbeiten in Tuffstein wurden durch Acker in Bonn, die Arbeiten in Niedermendiger Basalt durch Siegert in Köln ausgeführt. Die Zimmerarbeiten waren an Lissem, die Schreinerarbeiten an Hörsch, die Eisenkonstruktionen an Liesegang, sämmtlich in Köln, übertragen. Die Decken wurden, soweit sie nicht gewölbt sind, nach dem System Kleine ausgeführt. Für die ornamentalen Bildhauerarbeiten waren die Bildhauer Rothe & Barutzky in Köln gewonnen worden. In die figürlichen Bildhauerarbeiten theilten sich die Kölner Bildhauer Albermann und Degen in der Weise, dass ersterer die Arbeiten der Vorderfront letzterer die der Seitenfronten übernahm.

Theilansicht mit dem Haupteingang
Theilansicht mit dem Haupteingang
Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.
Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.

– Für die gesammten Baukosten ergab sich ein Betrag von 665 000 M. –

Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.
Das neue Kunstgewerbe-Museum in Köln a. Rh.

Mit dem neuen Kunstgewerbe-Museum ist die blühende Handelsstadt am Niederrhein an ihrer vornehmsten Strasse, der nach dem Vorgange anderer Städte mit den bedeutendsten Monumentalbauten besetzten Ringstrasse, die im Halbkreis vom Rhein zum Rhein den alten Stadtkern umzieht, mit einem Bauwerke bereichert worden, welches, im überlieferten Stile der Stadt gehalten, im Vereine mit den erhaltenen alten Ueberresten aus einer grossen Vergangenheit, hier der Gereonsmühle, eine Baugruppe von eindrucksvoller Wirkung darbietet. Es ist das ausgezeichnete monumentale Erstlingswerk eines feinsinnigen Künstlers, welcher im baukünstlerischen Schaffen der Gegenwart schon mit an der ersten Stelle steht und von welchem wir noch manches Werk. frischer Kunst erwarten dürfen. –

Dieser Artikel erschien zuerst am 27.04.1901 in der Deutsche Bauzeitung.