Wohnhaus des Hrn. Dr. Grüneberg am Sachsenring zu Köln

Architekt: Reg.-Baumeister Otto March in Charlottenburg. Die in den Abbildungen vorgeführte Bauanlage befindet sich an demjenigen Theile des Kölner Ringes, dem Sachsenring, für welchen durch besondere baupolizeiliche Bestimmungen ein villenartiger Charakter der Gebäude gewahrt bleibt.

In dem vorliegenden Falle lag ausserdem der bestimmte Wunsch des Bauherrn vor, sämmtliche für ihn selbst erforderliche Räume in einem 2,5 m über Erdgleiche befindlichen Erdgeschoss angeordnet zu sehen. Zur Unterbringung der Zimmer für die Söhne, für Besuch, für das Billard, eine kleine Bibliothek usw., von denen eine nicht unbeträchtliche Zahl vorgeschrieben war, empfahl sich unter den vorliegenden Umständen am meisten die Wahl eines hohen Mansard-Daches, das einerseits dem Hause die ausdrücklich gewünschte Erscheinung eines eingeschossigen Baues beliefs, andererseits sich gegen die bedeutenderen Höhenabmessungen nachbarlicher Gebäude geltend zu machen vermochte.

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Ueber die Einzelheiten der Lösung geben die Abbildungen in der Hauptsache genügende Auskunft. Das mit seiner Vorderseite nach NO. gerichtete Haus steht durch einen Vorgarten-Streifen vom Sachsenring und durch einen Hof mit den Stallgebäuden von der Overstolzen-Strasse getrennt – frei inmitten des durch ein reiches schmiedeisernes Gitter abgeschlossenen Grundstücks, dessen hinterer Theil als Garten ausgebildet ist.

Fassade am Sachsenring

Das bezeichnende Moment der Grundriss-Gestaltung ist die Anordnung einer mittleren, durch Oberlicht beleuchteten „Diele“, welche als Zimmer ausgestattet und benutzt – in beiden Geschossen sowohl den Schlüssel wie die Verbindung sämmtlicher übrigen Zimmer abgiebt.

Gartenfassade

Eine Anordnung, welche allerdings die Nutzbarkeit des Hauses für die anders gearteten Bedürfnisse etwaiger späterer Besitzer etwas einschränkt, an Behaglichkeit jedoch kaum zu übertreffen ist. Von den Wirthschaftsgelassen sind nur die für den unmittelbaren Küchen-Betrieb erforderlichen ins Erdgeschoss verlegt, während die übrigen im Untergeschoss liegen.

Querschnitt

Für die Wahl der an französische Vorbilder anklingenden Spätrenaissance-Formen, in denen das Aeussere des Baues durchgebildet ist, war die Gesammt-Gestaltung desselben mit seinem hohen Mansard-Dache wohl mitbestimmend. Die Ausführung der Fassaden erfolgte in Werkstein durch die Frankfurter Firma Ph. Holzmann & Comp.; und zwar gelangten für den Sockel Hannebacher Basaltlava, für die Architekturglieder dunkelrother Mainsandstein von Heubach, für die Flächen hellgelber Burgpreppacher Sandstein und für die Stufen der Freitreppen Württemberger Kalkstein zur Verwendung.

Grundriss

Die künstlerische Durchbildung der inneren Räume, bei welcher der vornehme Schmuck echter Holzarbeiten eine wesentliche Rolle spielt, schliefst sich stilistisch im allgemeinen der Fassaden-Architektur an.

Dieser Artikel erschien zuerst 1890 in der Deutschen Bauzeitung.