Berliner Künstlerinnen

Die deutsche Frauenwelt unterrichtet sich ganz gern über die Bestrebungen englischer, französischer oder amerikanischer Malerinnen und Bildhauerinnen; sehr lau dagegen erscheint ihr Interesse an den Arbeiten deutscher Künstlerinnen, die in kaum mehr verständlicher Weise den Ausländerinnen nachstehen müssen.

Die infolgedessen immer zaghafter gebotenen Ausstellungen der Berliner Künstlerinnen bleiben denn auch oft genug unbesucht. Und doch verdient es eine ganze Reihe moderner einheimischer Malerinnen und Bildhauerinnen, zumal solcher, die sich auf kunstgewerblichem Gebiet bethätigen, um ihrer trefflichen Leistungen willen geschätzt und aufgesucht zu werden. Zu diesen Künstlerinnen gehört Margarete Hönerbach (Abb. 1), die seit einer stattlichen Reihe von Jahren die Skulpturenklasse des Lehrinstituts der Berliner Künstlerinnen leitet, dabei selbst allzeit emsig schafft und überall mit Rat und That eingreift.

Margarete Hönerbach in ihrem Atelier

Mit fester Hand den Meißel führend, leistet die bescheidene Lehrerin und Künstlerin namentlich auf dem Gebiet der Porträtbüste ganz Hervorragendes.

In eine Werkstätte der Kleinkunst führt uns unser zweites Bild. Nichts von dekorierten Ecken und Nischen, nichts von Zierat und phantastischem Aufputz. In einem kellerartigen Raum, der auf die primitivste Art „möbliert“ ist, hantieren die beiden Künstlerinnen Helene Lobedan und Hildegard Lehnert mit Hilfe eines Töpfer der die von ihnen entworfen Gefäße auf der Drehscheibe formt. Die weitere Bearbeitung von dem freihändigen Eindrücken oder Hervortreiben bestimmter Flächen, plastischen Auflegen bis zum Malen und Glasurenguß übernehmen die beiden Künstlerinnen dann selbst.

Hildegard Lehnert und Helene Lobedan in ihrem gemeinschaftlichen Atelier

Eine Summe von Mühe und Geduld ist erforderlich, bis eins der Gefäße zum Einschieben in den Brennofen fertiggestellt ist, und herb und schwer ist die Enttäuschung, wenn einmal der Brand, statt zu vollenden, zerstört oder gar vernichtet hat. Daneben bieten sich aber auch allerlei Ueberraschungen, wenn das Feuer unvorhergesehene Wirkungen hervorbringt, Zufälle, die auch unsere beiden Künstlerinnen stets geschickt zu benutzen wissen.

Dieser Artikel erschien zuerst 1900 in Die Woche. Er war gekennzeichnet mit „C. D.“