Der Dom zu Upsala

Mit dem Bau des Domes zu Upsala, einem der schönsten Backsteinbauten Schwedens, wurde im Jahre 1287 (nach einer anderen, aber unzuverlässigen Quelle 1260) unter der Leitung des französischen Baumeisters Etienne de Bonneuil und nach dessen Plänen begonnen.

Der Dom gehört zu den nach französischem Vorbild mit reichem Chorausbau versehenen Bauwerken. Im Jahre 1702 wurde das Gebäude zum grössten Theil durch eine Feuersbrunst verheert. Vor der Zerstörung durch dieselbe hatte der Bau zwei 114 m hohe durchbrochene Thürme, welche mit vielen Abstufungen, Säulenreihen, Ballustraden und Baldachinen verziert waren. Ueber der Vierung befand sich ein thurmartig ausgeführter Dachreiter; das Querschiff wurde von 4 Pfeilern flankirt. Die Mauern des Mittelschiffes wurden durch zahlreiche Strebebögen, welche mit zierlich-schlanken Fialen geschmückt waren, entlastet. Im Jahre 1740 wurden anstelle der alten, durch die Feuersbrunst zerstörten Thürme zwei neue, nur 72 m hohe, aufgeführt.

Nach mehrjährigen Vorbereitungen und nachdem vonseiten des Staates eine Beihilfe von 500 000 Kronen, eine städtische Beihilfe von 200 000 Kronen und durch freiwillige Beiträge 144 190 Kronen aufgebracht worden waren, konnte im Jahre 1885 an eine durchgreifende Wiederherstellung geschritten werden. Die Pläne hierfür wurden von dem Architekten und Ober-Intendanten Helgo Zetterwall in Stockholm ausgearbeitet. Das Baukomitee ertheilte im Herbste des Jahres 1885 dem kgl. Architekten E. V. Lange den Auftrag, die Wiederherstellungsarbeiten zu leiten.

Hinsichtlich des Baues, wie er sich dem Auge des Beschauers jetzt darbietet, sei bemerkt, dass die beiden Thürme an der Westseite von schlanken, achteckigen Helmen bekrönt werden. Aus der Basis eines jeden der beiden Thurmhelme wachsen 4, auf Granitsäulen ruhende Eckthürmchen heraus, deren giebelgeschmückte Aufbauten die Kupferbedachung tragen. Die Gesammthöhe der Thürme beträgt rd. 118 m..

Der Dom zu Upsala
Der Dom zu Upsala
Der Dom zu Upsala

Im allgemeinen wurde die Wiederherstellung gemäss der früheren Architektur durchgeführt, nur das westliche Hauptportal hat eine würdigere und vornehmere Ausbildung dadurch erhalten, dass man dasselbe mit einem vorgemauerten Spitzbogen versehen hat, welcher in einen mit Krabben und Kreuzblume geschmückten Giebel ausläuft. Die Mittelwand zwischen den beiden Thürmen ist bei der Wiederherstellung um 1,5 m vorgerückt; in derselben liegt die 7 m im Durchmesser betragende Fensterrose, welche gegen ihre alte Lage um 4 m höher gerückt worden ist. Ueber dieser Fensterrose ist eine mit Fialen und einem durchbrochenen Giebel versehene offene Gallerie angeordnet. Ueber der Vierung befindet sich ein Dachreiter mit einer Höhe von 79 m über Gelände; 4 hohe, spitze Thürmchen krönen die stark hervortretenden Eckpfeiler des Querschiffes; die Flächen zwischen den letzteren werden – nicht symmetrisch auf der Nord- und Südseite – durch reich ausgestattete Fensterparthien durchbrochen.

Bei den Arbeiten zur Untersuchung der Tiefe der Grundmauern machte man die Wahrnehmung, dass der Baugrund ein sehr ungünstiger war und dass infolge dessen die Fundamente verstärkt werden mussten; es erforderte dies einen grossen Aufwand an Mühe und Kosten. Jetzt hatte man auch eine Erklärung für das Schiefstehen des südlichen Thurmes gefunden; beim Ablothen der Südseite dieses Thurmes zeigte sich ein Ausschlag von 60 cm. Diesem Mangel wurde dadurch abgeholfen, dass man den oberen Theil der Südseite abtrug (was auch für die neu anzulegenden Schallöffnungen einen gewissen Vortheil bot), und die Mauern durch Abstemmen bezw. Vormauern in ihre alte Lage brachte.

Im Inneren des Baues wurden zuerst die beiden grossen Pfeiler, welche die inneren Ecken des Thurmes tragen, in Angriff genommen; dieselben wurden mit Kalkstein bekleidet und erhielten neue Kapitelle und Sockel aus demselben Material, wie auch die Bögen, welche die Thurmgewölbe tragen, Profile aus Kalkstein erhielten. Die Behandlung der übrigen Pfeiler war eine ähnliche,

Die Strebebögen, welche nach dem Brande im Jahre 1702 errichtet worden waren, wurden jetzt wieder abgetragen und durch neue ersetzt. Die Thurmhelme, die Hauptdächer und der Dachreiter wurden in Eisen konstruirt und mit Kupfer abgedeckt.

Der Dom zu Upsala
Der Dom zu Upsala
Der Dom zu Upsala

Vor der Wiederherstellung wurde ein Ingenieur des geologischen Büreaus in Stockholm mit der Untersuchung über Art und Herkunft der beim alten Bau verwendeten Materialien betraut, um an der Hand dieser Ermittelungen bei den Wiederherstellungs-Arbeiten ein dem alten möglichst ähnliches Material zur Verwendung bringen zu können. – Die prachtvolle, in barockem Stil ausgeführte Kanzel, welche von Tessin dem Erbauer des Stockholmer Schlosses, entworfen ist, wurde mit einigen unwesentlichen Abänderungen wieder aufgestellt. Die Gewölbe und oberen Theile der Wände sind mit reichen Malereien geschmückt.

Der Dom zu Upsala

In dem mittleren Chor hinter dem Hochaltar befindet sich das Grabmal Gustav Vasa’s; die Wände daselbst sind mit Bildwerk versehen, welches Episoden aus Vasa’s wechselreichem Leben darstellt. Es sei ferner bemerkt, dass in den seitlichen Grabchören u. a, die Leichen Oxenstierna’s, Horn’s und Linnde’s liegen. Ein hinter der Altartafel stehender silberner Kasten birgt die Gebeine des Königs Erich, genannt der Heilige.

Dieser Artikel erschien zuerst am 02.07.1898 in der Deutsche Bauzeitung, er war gekennzeichnet mit „Laxmann“.