Das Brunnendenkmal auf dem Marktplatze und der Luitpoldhafen zu Ludwigshafen a. Rh.

Am 6. September d. J. wurde das hier abgebildete Brunnendenkmal im Beisein S. K. H; des Prinzregenten Luitpold von Bayern in festlicher Weise enthüllt und in Betrieb gesetzt.

Der Bericht ist uns unmittelbar nach Einweihung des Denkmals zugegangen, konnte jedoch leider erst jetzt Aufnahme finden. D. Red.

Das von Architekt Brunner entworfene und unter dessen Leitung ausgeführte Denkmal bildete i. J. 1896 auf der bayerischen Landesausstellung zu Nürnberg den Ausstellungs-Gegenstand der Verwaltung der kgl. Bayer.-pfälzischen Eisenbahnen inbezug auf deren umfangreiche und ertragreiche Steinbruch-Betriebe bei den Stationen Königsbach, Weidenthal, Frankenstein, Kaiserslautern und Hachstätten zur Gewinnung von Sandsteinen zu Kunst- und Hochbauten, sodann bei den Stationen Albersweiler und Mammelsbach zur Gewinnung von Granit und Melaphyr für Pflastersteine und Strassendeckmaterial.

Nach Schluss der genannten Ausstellung wurde auf Anregung des Direktors der pfälzischen Eisenbahnen, des kgl. Geh. Rths. Ritter von Lavale, das, nebenbei bemerkt, mit der goldenen Medaille ausgezeichnete Ausstellungsstück der Stadtgemeinde Ludwigshafen schenkungsweise überlassen und von dieser, nach Vornahme einiger Aenderungen an den Emblemen und Aufschriften, sodann nach Ergänzung durch eine reiche schmiedeiserne Einfriedigung, auf dem Marktplatze zu Ludwigshafen aufgestellt und zwar, wie die Inschrift auf der Westseite lautet: „In dankbarer Erinnerung an die Gründung Ludwigshafens durch König Ludwig I. und die Erbauung des Luitpoldhafens unter Prinzregent Luitpold, errichtet von der Stadtgemeinde Ludwigshafen im Jahre 1897.“

Das Brunnendenkmal auf dem Marktplatz zu Ludwigshafen. Architekt Jakob Brunner
Querschnitt

Es bezieht sich diese Inschrift auf zwei wichtige Marksteine in der Geschichte der noch ganz jungen, aber kräftig emporblühenden, gegenwärtig über 40 000 Einwohner zählenden Stadt Ludwigshafen. Denn sie enthält einerseits einen Hinblick auf die vor 50 Jahren unter König Ludwig I. von Bayern erfolgte Betriebs-Eröffnung der ersten pfälzischen Eisenbahnlinie, „der Ludwigsbahn“, und die Erhebung der vormaligen unbedeutenden Ansiedelung „Rheinschanze“ zu einer Stadtgemeinde mit dem Namen Ludwigshafen, andererseits einen Hinblick auf die Erbauung des Luitpoldhafens in allerjüngster Zeit, dessen Vollendung demnächst bevorsteht. Das in halber Höhe des Denkmales auf der Nordseite angeordnete Reliefporträt des Königs Ludwig I. trägt über der Königskrone ein geflügeltes Rad, das Reliefporträt des Prinzregenten Luitpold auf der Südseite dagegen in gleicher Höhe ein kleines Schiffsmodell mit aufgeblähtem Segel.

Das 15 m hohe Denkmal zeigt die Formen der deutschen Renaissance und ist, was den architektonischen Aufbau, die Vertheilung der Massen, die Einzelheiten und die Ausführung anbelangt, von einer durchaus glücklichen Gesammtwirkung. Hierbei spielt die Farbenstimmung des verschieden gefärbten Steinmateriales und der Galvanobronzen zur Belebung der Formen eine ganz besondere Rolle.

Da die Abbildung nur die Formen des Bauwerkes erkennen lässt, so sei hier erwähnt, dass die Treppenstufen aus röthlich grauem Sandstein – Bruch Hachstätten -, die Brunnenschalen aus blassrothem Sandstein – Bruch Weidenthal -, die Säulenschäfte und der Mauergrund hinter den Reliefmedaillons aus dunkelrothem Sandstein – Bruch Kaiserslautern – alles übrige aus gelblich weissem Sandstein – Bruch Königsbach hergestellt wurden. Nur zu den Postamentsteinen der Einfriedigung wurde ausserpfälzisches Steinmaterial, nämlich röthlicher Granit aus dem Odenwalde, verwendet. Die Medaillons, die Wappenschilder, die Nischeneinsätze, die Delphine usw. wurden mit bescheidener Vergoldung in Galvanobronze ausgeführt.

Bei Verwendung von imganzen 66 cbm Werksteinen haben die Gesammtbaukosten rd. 35 000 M. betragen.

Die Ausführung erfolgte, abgesehen von der Sandsteinlieferung, durch die Firmen: Gebr. Hoffmann, Maurerarbeit, Laubscher, Steinmetzarbeit, Hergenhahn, Granitsteinlieferung, Wolf, Schmiedearbeit, sämmtlich in Ludwigshafen, Cassar-Mannheim, Bildhauerarbeit und Anfertigung der Modelle für die Galvanobronzen, von Rümann-München und Maier-Geislingen Anfertigung der Modelle für die beiden Fürstenmedaillons, die Metallwaarenfabrik Geislingen Lieferung der Galvanobronzen, schliesslich das städtische Gas- und Wasserwerk.

Der Luitpoldhafen wurde auf einem, damals zumtheil schon zu Wohnhausvierteln eingetheilten Gebiete, im Verfolg einer im Winter 1889/90 gegebenen, mit generellem Entwurf, Kostenanschlag und Erläuterungsberichte belegten Anregung des dem Stadtrathe angehörigen Oberingenieurs Jolas unter Aufhebung des früheren Bebauungsplanes und Neubearbeitung eines solchen durch Oberbaurath Prof. Baumeister in Karlsruhe, auf Kosten des Staates, der Gemeinde und der pfälzischen Eisenbahnen durch den Staat erbaut. Die Bearbeitung des Entwurfs für die Ausführung erfolgte im Sinne der ursprünglichen Anregung durch den kgl. Bauamtmann Linz in Speyer. An der Ausführung der Bauarbeiten war unter Leitung des genannten Bauamtes vorwiegend die Bau-Unternehmerfirma Menzel in Düsseldorf betheiligt.

Der Hafen, welcher dem Umschlagsverkehr zwischen Wasser und Bahn dient, liegt oberhalb der Rheinbrücke Ludwigshafen-Mannheim und bildet die Sehne einer Stromkrümmung des Rheines. Am unteren Ende mündet das Hafenbecken frei in den Rhein, während am oberen Ende zum Ausgleich des Höhen-Unterschiedes bei der Ausmündung in den Strom eine Kammerschleuse eingeschaltet werden musste, Die Kammerschleuse hat eine nutzbare Länge von 80 m und eine lichte Durchfahrtsweite der Schleusenthore von 12,50 m.

Das Brunnendenkmal auf dem Marktplatz zu Ludwigshafen

Die Nutzlänge des Hafenbeckens beträgt 1275 m, die Breite desselben 90,80 m, die Tiefe von Oberkante Kaimauer gemessen 9,65 m. An der Wasserseite ist eine Kaimauer erbaut, an der Ostseite sind abgerollte Böschungen angeordnet. Drei Drehbrücken von 30 m bezw. 22 und 12,50 m Durchfahrtsweite, von welchen die zuletzt genannte gleichmässig dem Strassen- und Eisenbahnverkehr dient, vermitteln den Verkehr zwischen den beiderseits gelegenen Lager- und Landeplätzen und der Stadt, bezw. der Eisenbahn. Die Baukosten wurden i. J. 1892 ohne Grunderwerb, ohne die Gleisanlagen und ohne die mittlerweile erbauten Lagerhäuser vom königl. Bauamte zu 3 475 000 M. veranschlagt. Eine eingehendere Beschreibung des Luitpoldhafens mit Beifügung von Plänen bleibt bis nach vollständiger Fertigstellung der Bauarbeiten vorbehalten. –

Dieser Artikel erschien zuerst am 08.12.1897 in Die Woche.