Beweise für die Sehergabe Spielbähns

1) Mehrere Prophezeihungen Spielbähns leben von seinem Tode ab, bis auf heute, im Munde des gesammten bergischen Volkes; es leben sogar noch Einzelne, die sie aus dem Munde des Propheten selbst gehört haben; sie liegen daher als eine unantastbare Thatsache vor uns und der Vorwurf, daß die meisten Prophezeihungen erst entstehen, nachdem die Facta eingetreten, kann sie nicht treffen. Dafür spricht auch

2) das von mir im Jahre 1840 in einem damals von mir bewohnten Hause aufgefundene, alte Manuscript, welches ein alter katholischer Landgeistlicher, Herr M. W. geschrieben, der in jenem Hause in den Schlußtagen seines Lebens gewohnt, und im Jahre 1809 zu Rott im hohen Greisenalter gestorben ist. Die Ermittelung des Sterbejahrs verdanke ich der Gefälligkeit des Herrn Pfarrers Körfer zu Stieldorf. — Die Notoritat, so wie mein unbestrittenes Eigenthumsrecht an diesem Manuscripte sind sowohl durch Zeugen als durch die Sache selbst, so bewiesen, daß sie keine Anfechtung zulassen.

3) Der Umstand, daß ich die vorliegenden Prophezeihungen schon im Jahre 1840 im Manuscripte ausgearbeitet und dieselben zwei Jahre später in gedruckten Subseriptionslisten ankündigte — Also weit vor dem Jahre 1846, wo ich die erste Auflage bei dem Buchdrucker Lechner in Bonn auf meine Kosten drucken ließ.

4) Mehrere Einwohner von Sieglahr, und unter diesen die Verwandten einer gewissen Familie N. haben mir folgende Begebenheit, deren factische Richtigkeit sie eidlich erhärten zu können erklärten, mitgetheilt. Spielbähn trat eines Tages in das Haus der obigen Familie und bedeutete dem Vater, „er solle am morgigen Tage sein Söhnchen J. nicht ausgehen lassen, sonst werde das Kind verunglücken.“ — Der Vater, welcher zwei, zehn- und zwölffährige Söhne hatte, erzählte dies lächelnd der Mutter und bemerkte dabei aber, man könne ja doch, aus Vorsorge, die beiden Knaben morgen einsperren. Als daher am andern Tage Vater und Mutter aufs Feld gingen, schlossen sie die Kinder in der Wohnstube ein; kaum aber waren die Eltern zehn Minuten abwesend, als sich die lebensmuthigen Knaben, denen die Zeit in dem engen Raume zu lang fiel, einen Ausweg durch ein Fenster der hochliegenden Wohnstube suchten, und geraden Laufs zu dem vorbeifließenden Mühlengraben eilten, um zu baden. Mit hastiger Eile sprangen sie beide ins Wasser, aber der von „Bähn“ bezeichnele Knabe J. blieb in dem Flüßchen begraben — er kam nicht mehr zum Vorschein.

5) Vor einigen Jahren starb zu W. eine gewisse Frau T. im höchsten Lebensalter die mir erzählte, daß Spielbähn als sie noch ganz jung gewesen, ihr vorhergesagt, wen sie als Mann erhalten werde, und daß …… was auch wirklich eingetroffen.

6) Herr Mathias Beh, weiland Schöffe zu Birlinghoven ein sehr braver, geachteter Mann, hat mir oft erzählt, daß Spielbähn in ihrem Hause oft eingekehrt, und von seinem Vater Hermann Bey wegen seiner Weissagungen zuweilen gehänselt worden sei. Spielbähn habe aber diese Spötteleien eines Tages mit folgender Entgegnung vergolten:

„Obgleich du meine Worte verlachst, so wünschte ich doch, dir etwas Gutes prophezeihen zu können. Es ist aber leider nur Schlimmes, was ich dir zu sagen habe. Du bist zwar ein braver Mann, dem Kirchengang und Gebete, so wie dem Wohlthun ergeben, aber — du wirst dennoch nicht auf deinem Bette sterben.“ — Sein Vater habe auch diese Prophezeihuug ungläubig und lächelnd hingenommen.

Leider habe sich dieselbe aber im Jahre 1792 am 5. Januar, wo sein Vater von einem Taufschmause berauscht nach Haus gekehrt, schrecklich erfüllt, indem er unterwegs erfroren sei. – Etwa 3/4 Stunde unfern der Beh’schen Wohnung, bezeichnet ein Kreuzchen, dessen Verfasser auch schon in der 1., 2. u. 3. Auflage dieses Werkchens Erwähnung gethan, die Stelle und die Zeit, wann und wie sich diese Vorverkündigung Bähns erfüllte.

7) Der K. Bezirks-Steuer-Controlleur Herr Breiderhoff dermalen in Bonn wurde im Jahre 1837 Anfangs November von dem Communal-Steuer-Empfänger Herrn Engels in Vilich über die damals betriebene Verlegung einer Strecke auf der Frankfurter Straße zwischen den Dörfern Warth und Uckerath befragt. Hier zog sich die Strahe einen steilen Berg, Käsberg genannt, hinan. Herr Engels bemerkte scherzweise, daß auch er den Propheten „Spielbähn“ nun für einen „Lügebähn“ halten müsse, weil er eine Prophezeihung von ihm kenne, dahin gehend, „daß das geistliche Oberhaupt gefänglich eingezogen würde, wann man den Käsberg geebnet habe,“ mit welcher Arbeit man doch nun bald zu Stande gekommen sein müsse. — Herrn Breiderhoff fiel diese Rede auf, weil mit der Beendigung dieser Straßen Verlegung resp. Berges-Ebnung auch die Nachricht von der erfolgten Abführung des Erzbischofes Clemens August von Köln, durch den damaligen Oberpräsidenten der Rheinprovinz — eintraf.

8) Der um die nemliche Zeit in Geistingen gestorbene Küster Haupts erzählte in einer zahlreichen Versammlung, worunter sich auch Verfasser befand, daß er nun wohl bald sterben werde, da man angefangen, den Käsberg zu ebenen. Spielbähn habe ihm nämlich bei einer Krankheit in seiner Jugend prophezeiht, daß er von seiner damaligen Krankheit wieder genesen und erst dann sterben werde, (seinen Ranzen zur Reise in die Ewigkeit zu schnüren habe) wann man den Käsberg ebenen würde. — Die Weissagung erfüllte sich; worüber die Herren Pfarrer Schieffer, Lehrer Ferrenberg und Gemeindeschöffe Olbertz zu Geistingen, Näheres angeben können.

9) Als Spielbähn von Honnef aus durch das Rheinthal der Sieg zuwanderte, deutete er nach einer damals noch ganz mit Urwald überdeckten Höhe, die „Harth“ u., „Ennert,“ genannt, und äußerte: Diese große Waldhöhe wird urbar gemacht und zuerst mit zwei Schimmeln umgepflügt werden.“ Der in Pützchen gestorbene Kgl. Bergmeister Herr Leopold Bleibtreu, welcher dort das heutige; großartige Braunkohlen- und Alaunwerk anlegte, das bis auf heute Hunderten von Arbeitern Brod gab, ließ den den Bergrücken zuerst mit zwei Schimmeln umackern. Dessen Sohn, der jetzige Dirigent des Werkes Herr Gewerker Gustav Bleibtreu, würde diese Tradition bestätigen können.

10) Spielbähn, der den Brand der Abtei Siegburg, Vers 2 auf den Tag bestimmt und lange vorhergesagt, befand sich am Abende des von ihm bezeichneten Tages zufällig in einer Wirthsstube, wo man ihn wegen dieser Prophezeihung spottelnd damit aufzog, daß man auf die Gasse lief und dann wieder hereinkommend bemerkte:

„die Abtei brenne noch nicht.“

Bernard bemerkte einem vorlauten Burschen aus Sieglahr:

„Eile du nur rasch nach Haus, denn du mußt, sobald du hinkommen wirst, die Brandspritze bespannen. — Uebrigens wartet noch eine kleine Weile, sagte er den Andern, und ihr werdet erfahren, ob ich wahrgesagt.“

Die Gesellschaft spielte ruhig Karten, und mochte den Vorfall wohl schon wieder vergessen haben, als Bernard sie aufforderte, nun noch einmal vor die Thüre zu gehen, um nach dem Siegberge zu sehen, und siehe da – die ganze Abtei stand in lichten Flammen. Der obige Bursche aber mußte wirklich die Spritze zu der Brandstelle fahren.

Dieses Ereigniß aber hatte zur Folge, daß Bernard als Brandstifter verdächtig, und auf Befehl der Regierung zu Düsseldorf nach Honnef am Rheine, in Untersuchungs-Arrest gebracht wurde.

Hier mußte er länger als ein Jahr im Gefängnisse aushalten, bis die Regierung, wegen Mangels jedes rechtlichen Beweises, ihn in Freiheit zu setzen befahl. Diesen Befehl mußten der Amtmann D… der Gerichtsschöffe Kr.. und der Schöffe Tr. ausführen. Nach vollstreckter Freigebung regalirten nun diese Herren den unschuldig Gefangenen mit einem Glase Wein und der Amtmann ersuchte ihn, bei dieser Gelegenheit, er möge ihnen der Reihe nach, etwas prophezeihen. Bähn entgegnete Anfangs: sie sollten Gott nicht versuchen; gab aber endlich ihrer Zudringlichkeit nach, indem er sprach

„Sie, Herr Amtmann D. werden in Kurzem vom Pferde stürzen und ein Bein brechen. Rufen sie aber alsdann nicht den Arzt, sondern den Pastor, weil sie acht Tage spater eine Leiche sein werden.“

„Sie Herr Kr.. werden in Armuth gestürzt, und von Ungeziefer halb verzehrt, in Troisdorf auf dem Stroh sterben.“

Beispilbild: Spielbähn

„Sie aber, Herr Ta. verlieren ihre Frau, heirathen zum zweitenmale, erhalten zwei Kinder und sterben am … März 1829.“

Herr Kr.. äußerte: „Meine Herrn, die Sache wird ernst; wir wollen sie, denke ich, zu Protokoll nehmem.“ Dies geschah denn auch. Es ist mir aber, trotz aller Bemühungen noch nicht gelungen, in den Besitz dieses Aktenstücks zu kommen. Wahrscheinlich aber befindet sich dasselbe unter Privatpapieren des in Königswinter vor einigen Jahren gestorbenen Domainen-Rathes Herrn Schäfer, der seiner Zeit auf dem Bürgermeisteramte zu Sieglahr und an mehreren andern Stellen Erkundigungen über Spielbähn eingezogen hat.

Die Weissagungen trafen übrigens genau ein. Der Amtmann D… stürzte vom Pferde und brach ein Bein. Man wollte den Arzt rufen, er aber verlangte den Beichtvater und starb schon nach acht Tagen.

Hr. Kr.. verwaltete eine öffentliche Kasse; eine Revision derselben ergab ein großes Defizit, weshalb er seines Amtes entsetzt und in Folge der Sequestration seines Vermögens an den Bettelstab gebracht wurde.

Er starb als Bettler von Ungeziefer hart gequält, zu Troisdorf auf einem Strohlager.

An dem von Bernard voraus bestimmten Tage im Jahte 1829 starb auch der Schöffe Herr Tr.

der, nachdem er in zweiter Ehe wirklich zwei Kinder gezeugt, in beständiger Erinnerung an die Bähnsche Vorhersagung, bis an seinen Tod ein frommes Leben führte.

Herr Apotheker Brocke in Köln, Herr Gustav Bleibtreu auf der Alaunhütte bei Bonn, Herr Dr. de Berghes und mehrere Bewohner von Honnef bewahrheiten diese Tradition.

11) Die Umwohner von Troisdorf behaupten, daß Spielbähn die erfolgte Aufhebung der frühern bekannten Einsiedelei auf dem Ravensberg in Verbindung mit der dortigen Errichtung eines Telegraphen, so wie die Anlage einer Kunststraße durch das Aggerthal vorhergesagt habe.

12) Als Spielbähn in den Armen des Herrn Apothekers Schnitzler dem Tode nahe war, machte er noch folgende Aussage: „Ich werde auf dem Kirchhofe zu St. Maria Ablaß begraben, aber nach kurzer Zeit werden meine Gebeine ausgegraben, und nach Melaten gebracht werden.“

Wirklich wurden die Gebeine auf jenem Kirchhofe ausgegraben, und nach dem, um’s Jahr 1807 neu eingerichteten Friedhofe von Melatten gebracht. Dies bestätigt Herr Apotheker Brocke in Köln.

13) Die bereits eingetroffene Erfüllung der Verse 1 bis 84 in dem nachstehenden Manuscripte lassen endlich keinen Zweifel mehr übrig, daß Bernard, der Mann im schlechten Kittel mehr von der Zukunft gewußt, als unsere großen Geister und pfiffigen Politiker heutzutage über dieselbe herauszubringen vermögen.

Dies ist ein Auszug aus dem Büchlein „Spielbähn, der Prophet“, welches von Wilhelm Schrattenholz geschrieben und 1848 erstmals veröffentlicht wurde. Das Bild ist ein Beispielbild und nicht im Buch enthalten. Mehr Infos dazu hier.

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Spielbähn, ein rheinischer Nostradamus?

Inhaltsverzeichnis des kleinen Buches „Spielbähn, der Prophet“ von Wilhelm Schrattenholz
Verwahrung
II. Vater Bernard
III. Spielbähn
IV. Beweise für die Sehergabe Spielbähns
V. Prophezeihungen Spielbähns
VI. Erläuterungen zu den Bernard’schen Prophetien
VII. Schlußbelege