Neue Brunnen für Wien und Nürnberg

Der neue Neptunbrunnen für Nürnberg

Immer häufiger werden neuerdings auch in Deutschland begüterte Personen nicht erst in ihrem Testament, sondern schon bei Lebzeiten größere Summen für gemeinnützige Zwecke stiften. So wird aus den Mitteln eines opferwilligen Bürgers in Nürnberg demnächst ein altes Kunstwerk neu entstehen, dessen sich die Stadt früher niemals hat erfreuen können.

Kommerzienrat Gerngroß hat die Summe von 80 000 Mark gespendet, um eine Nachbildung des Neptunbrunnens herzustellen, der seit mehr als einem Jahrhundert eine Zierde des Schloßgartens von Peterhof bei Petersburg bildet. Dieser Brunnen wurde bald nach dem dreißigjährigen Krieg zur Erinnerung an den westfälischen Frieden in Nürnberg geschaffen und sollte dort auf dem Marktplatz aufgestellt werden. Thatsächlich ist diese Aufstellung, sei es wegen Wassermangels, sei es wegen Geldmangels, niemals erfolgt. Das Kunstwerk wurde vielmehr in dem aus Holz gezimmerten Bauamt, der „Peunt“ – daher führt es auch den Namen Peuntbrunnen – aufbewahrt und schließlich im Jahr 1797 an den Zaren Paul von Rußland verkauft. Nun wird der mit Erlaubnis des Zaren nachgebildete Brunnen auf dem ursprünglich dazu ausersehenen Platz aufgestellt und vermutlich noch im Oktober enthüllt werden.

Der neue Neptunbrunnen für Nürnberg, eine genaue Nachbildung des alten Peuntbrunnen. Rechts und Links die Porträts der Stifter Komerzienrath Ludwig Gerngroß und Frau

Dieser Artikel erschien zuerst am 11.10.1902 in Die Woche.

Einen neuer Monumentalbrunnen für Wien

Einen neuen Monumentalbrunnen hat soeben auch Wien erhalten; er erhebt sich vor dem Reichsratsgebäude, dem prächtigen Heim des österreichischen Parlaments. Aus einem Wasserbassin ragt der mit allegorischen Figuren und Putten ausgestattete Unterbau heraus, auf dem eine kurze kannelierte Säule die Hauptfigur trägt: Pallas Athene, in der Linken den Speer, in der Rechten die kleine geflügelte Nike.

Der neue Parlamentsbrunnen in Wien

Dieser Artikel erschien zuerst am 11.10.1902 in Die Woche.