Karneval in Köln, Paris und München

Von überall her tönt das fröhliche Schellengeklapper, das Jauchzen und Lachen des Prinzen Karneval und seines närrischen Hofstaats, der noch kurz vor Schluß des ersten Faschings im neuen Jahrhundert frohen Abschied feiern will.

In Köln a. Rh., von dessen großem Faschingsumzug am Rosenmontag wir ein anschauliches Bild geben, begleitete eine tausendköpfige Menge die Reihe phantastischer Festwagen, die unter Blumen; und Konfettiregen durch die Straßen zogen. Das Hauptstück des Zuges, der Wagen des Prinzen Karneval, bot mit seinen verschlungenen Lilien, die sich in strahlender Vergoldung längs des Wagens und des sammet- und hermelinbedeckten Throns hinzogen und mit seinem palmentragenden Genius, der mit ausgespannten Flügeln den harmlosen Frohsinn des Prinzen vor den Angriffen Uebelgesinnter zu schützen schien, ein Bild voll farbenprächtigen Lebens.

Karneval in Köln – der große Faschingsumzug am Rosenmontag auf dem Neumarkt

Zu Fußen des Prinzen Karneval kauerte Vater Rhein, weinlaubbekränzt, den Dreizack in der Rechten, und während die Regierungsmanifeste des närrischen Prinzen auf die fröhliche Menge niederflatterten, wehten Tücher aus den menschenbesetzten Fenstern, die Blumensalven fielen in die Wagen, und unzählige Jubelrufe begleiteten den Zug.

Karneval in Paris – Schnitter und Schnitterinnen im Festzug
Karneval in Paris – die große Narrenkavalkade

In Paris hat das durch die Regengüsse der letzten Zeit durchnäßte Pflaster, die Melancholie der entlaubten, wassertriefenden Bäume ein wenig der Stimmung Eintrag gethan, die sonst alljährlich die übliche große Narrenkavalkade, von der wir zwei Momentaufnahmen wiedergeben, begleitet. Die gute Laune der Festzugsteilnehmer übertrug sich aber schließlich auf die zahllosen Zuschauer, die von der Place de la Republique bis zur Madeleine einen wahren Konfettihagel niedersausen ließen. Nationalgardisten und Polichinelles, Schnitter und Schnitterinnen begleiteten in schier endlosem Zug den Helden des Festes „le boeuf gras“, den Faschingsochsen, dem die Huldigungen, aber auch der Spott der Menge galt.

Karneval in München – Die berühmte afrikanische Festung Las mi mit (Ladysmith) im Faschingszug
Karneval in München – Wagen mit der Gruppe Winters Abschied im Faschingszug

In München nahm der diesjährige Mummenschanz mit einer originell erdachten und glänzend ausgeführten Korsofahrt sein Ende, aus der wir zwei Abbildungen der gelungensten Gruppen wiedergeben. Der Aktualität des Tages, der Burenfrage, trug die berühmte afrikanische Festung „Las mi mit“ (Ladysmith) Rechnung, die eine Schar grimmig aussehender Buren verteidigte, während hinter diesem Wagen ein eiserner Käfig von Pferden gezogen durch die Straßen wankte, in dem Buller, über dessen Haupt die Devise „Für mich giebt’s kein Zurück: flatterte, gemütlich schmauchend saß. Die Gruppe „Winters Abschied!, deren Ausstattung von Schnee und Eis seltsam mit der Wärme des Frühlingstages kontrastierte, Schneemann und Weihnachtsengel, Kolombinen und der Winter selbst in brummiger Person beteiligten sich an ihrem eigenen Kehraus in fröhlichster Stimmung, und sogar Knecht Ruprecht, der die Rute in Händen dem Winterwagen voranfuhr, verlor in der tollen Fastnachtslaune seine Schrecken für die Münchener Jugend.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe 10/199 von Die Woche unter der Rubrik „Bilder vom Tage“.