Volksschulhausbau im Pavillonsystem zu Ludwigshafen a. Rh.

Von Stadtbauinspektor Beutner. Die Stadt Ludwigshafen ist arm an Spiel- und an freien Plätzen überhaupt. Dieser Umstand in Verbindung mit dem Wunsche, Schulräume zu schaffen, welche inbezug auf Licht, Luft, Heizung und Lüftung das Beste bieten, im übrigen rechtzeitig für das jeweilige Bedürfniss zu sorgen, führten nach reiflicher Ueberlegung und eingehendem Studium zu dem Entschluss, mit dem seither gebräuchlichen Schulhausbausystem – dem Korridorsystem – zu brechen und das Pavillonsystem zu wählen, das sich allenthalben bei Krankenhausbauten und auch beim Krankenhaus in Ludwigshafen a. Rh. vortrefflich bewährt hat.

Als ganz besonders und sofort in die Augen springende Vortheile einer solchen Anlage gegenüber dem Korridorbau mögen nur die folgenden erwähnt werden.

Eine Störung des Unterrichts durch den Nachbar ist auf das geringste Maass herabgemindert und nahezu ausgeschlossen, da ein Nachbar nur an einer Seite vorhanden ist. Treppen sind bei eingeschossigen Gebäuden nicht vorhanden. Die beim Korridorbau nach jeder Stunde durch die Auf- und Abwärtsbewegung auf den Treppen hervorgerufene Aufwirbelung des auf denselben abgelagerten Staubes kommt ganz in Wegfall. Es ist die Möglichkeit bester Lüftung der Räume auf dem einfachsten Wege gegeben, die beim mehrgeschossigen Korridorbau oft nur mit Zuhilfenahme komplizirter Einrichtungen zustande gebracht werden kann. Eine leichte Entleerung der Gebäude kann jederzeit stattfinden, da nur 2 Klassenräume in einem Gebäude vorhanden sind. Auch ist bei eingeschossigen Gebäuden ein Begehen von Treppen völlig ausgeschlossen. Insbesondere ist dieser Vortheil für den Fall der Noth, z. B. Brandfall oder dergl. nicht zu unterschätzen; es können zur raschen Entleerung dann nöthigenfalls selbst die nicht hoch über dem Boden befindlichen Fenster dienen. Es ist stets frische reine Luft um alle Klassensäle herum vorhanden infolge der bepflanzten und berasten, zur Sommerzeit stets begiessbaren Fläche, während beim Korridorbau diese Annehmlichkeit höchstens den im Erdgeschoss liegenden Sälen in demselben Maasse zutheil werden könnte. Es ist die Möglichkeit vorhanden, die um die Gebäude herum angelegten Gärtchen mit Pflanzungen für den Anschauungsunterricht zu versehen. Die Massenaborte mit ihren Unzuträglichkeiten kommen vollständig in Wegfall, indem ohne Störung die für Lehrer und Schüler für 2 Klassen erforderlichen Aborte bei entsprechender Einrichtung im Gebäude selbst untergebracht und zur Winterzeit sogar entsprechend erwärmt werden können. Eine in erziehlicher Hinsicht werthvolle Trennung der Massen kann leicht herbeigeführt werden durch Vertheilung. auf-einzelne Gebäude und Höfe, in denen auch die Uebersicht über die Schüler eine leichtere ist, als bei m Korridorsystem. Woselbst sich die ganze Schülerzahl in einzelnen Gebäuden und Höfen bewegt. Diese Trennung kann sich noch besonders wohlthätig erweisen beim Auftreten epidemischer Krankheiten, weil dann nicht, wie beim Korridorbau die ganze Schule, sondern blos einzelne Klassen oder Höfe geschlossen werden müssen. Im Falle eines Krieges kann leicht die Umwandlung der Schule in ein vorzüglich geeignetes Krankenhaus stattfinden. Es entsteht eine Anlage, die jeder Stadt eine Zierde ist und weder den Namen eines Schulpalastes noch den einer Schulkaserne verdient.

Wenn auch alle diese Vorzüge von einsichtigen Technikern und Schulmännern anerkannt werden, so wird lediglich die finanzielle Seite dem Pavillonsystem für Schulen oft hindernd im Wege stehen; denn man wird ohne weitere Untersuchung geneigt sein, in erster Linie dieser Bauweise entgegen zu halten, dass zuviel Platz für die Anlage erforderlich würde und dadurch die Kosten erheblich sich höher stellen würden, als beim Korridorbau. Wenn auch zugegeben werden muss, dass für eine solche Anlage, soll sie ihren Zweck überhaupt entsprechen, viel mehr Platz beansprucht wird, als für einen Korridorbau, so sind doch die Kosten des Platzes nicht allein und immer ausschlaggebend für die Kosten der Gesammtanlage. Häufig werden sich auch an der Aussenseite selbst grosser Städte noch billige Bauplätze finden lassen, die für die zunächst gelegenen Stadttheile den Bau eines Volksschulhauses nach dem Pavillonsystem rechtfertigen lassen. Des Weiteren wird man gegen die Bauweise nach dem Pavillonsystem einwenden, dass durch die Erstellung vieler Einzelhäuser die Kosten bedeutend anwachsen werden und dass sogar nach Inbetriebnahme der Anlage dieselben noch immer mehr sich steigern würden infolge der durch ihre allseits freie Lage erschwerten Beheizung der Gebäude.

Zum Theil wird diesen Einwendungen begegnet werden können, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die kleinen Gebäude eine viel einfachere Ausgestaltung erfahren können, als dies bei einem grossen Bau zulässig ist; dass Treppenhäuser und Kellerräume gänzlich in Fortfall kommen, Fundamente erheblich weniger tief und die Mauerstärken geringer angenommen werden können, als bei einem mehrgeschossigen Bau.

Der Einwand der erheblich vertheuerten Beheizung solcher an allen Seiten frei stehender, nicht unterkellerter und mit weniger starken Mauern ausgeführter Gebäude wird bei Anwendung von Doppelfenstern und zweckentsprechender, Isolirung von Wänden, Fussboden und Decken, wie sie in vorliegendem Falle durchweg durchgeführt sind, vollkommen hinfällig. Richtigen Aufschluss über die Kostenfrage kann lediglich eine genaue Bearbeitung zweier Einzelentwürfe nach dem Korridorsystem und Pavillonsystem geben und schliesslich dürfte ein nicht zu erheblicher Mehrbetrag bei den grossen Vortheilen in gesundheitlicher Beziehung doch für das Pavillonsystem entscheiden.

Ein wesentlicher Umstand in finanzieller Beziehung, der zu Gunsten des letzten spricht und insbesondere in Gemeinden, die eine rasche Vergrösserung aufzuweisen haben, von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, liegt in der Möglichkeit der bruchstückweisen Ausführung der ganzen Anlage, indem jeweils den herantretenden Bedürfnissen entsprechend ein oder mehre Pavillons neu erstellt werden können, während beim Bau eines mehrgeschossigen grossen Schulgebäudes eine Anzahl von Schulsälen für den Bedarf der nächsten Jahre sofort mitzuerstellen wären, die alsdann längere Zeit unbenutzt bleiben. Bei einer derartigen Bauarbeit ist aber, gegenüber dem Pavillonsystem, ein grösseres Kapital aufzuwenden und es gehen die Zinsen des Kapitals für die erstellten aber nicht benutzten Schulsäle verloren.

Die Bearbeitung zweier Entwürfe für ein Volksschulgebäude in Ludwigshafen a. Rh. nach dem Korridorsystem sowohl als nach dem Pavillonsystem hat für den gegebenen Fall zu dem überraschenden Ergebniss geführt, dass sich die Schulklasse nach dem Pavillonsystem noch billiger stellt, als beim Korridorbau. Es mögen zum Vergleich hier einige Zahlenangaben folgen.

KorridorbausystemPavillonbausystem
5000 qm Platzfläche für 60 000 Mk. Werth. 31 Schulklassen mit Turnhalle, Hausmeisterwohnung und Abortgebäude, Lehrmttel u. Lehrerzimmer sammt völliger innerer Einrichtung, Heizungsanlage und Brausebad, sammt Platz, Einfriedigung, Hofbefestigung, Kanalisation, Gas- u. Wasserleitung 542 000 Mk. somit 1 Klasse u. 160 qm Platzfläche 542 000/31 = 17 484 M.14 600 qm Platzfläche für 103 000 M. Werth. 38 Schulklassen mit Turnhalle, Hausmeisterwohnung und Aborten, Lehrmittel- und Lehrerzimmer sammt völliger innerer Einrichtung, Heizungsanlage und Brausebad, sammt Platz, Einfriedigung, Wege- und Hofbefestigung, Kanalisation, Gas- u. Wasserleitung 631 000 M., somit 1. Klasse u. 379 qm Platzfläche 631 000/38 = 16.600 M.

In den Kosten von 17 484 M. für einen Lehrsaal beim Korridorbau sind aber die Zinsverluste nicht inbegriffen, die sich ergeben würden bis zur vollen Besetzung des Gebäudes. Der Korridorbau, der zurzeit des Bezuges 11 überschüssige Säle enthielt, wäre erst nach 4-5 Jahren ausgenutzt, je nachdem jährlich 3 oder 2 Klassen in Zugang kommen. Die Zinsverluste für das mehr aufgewendete Kapital für die 11 leer stehenden Säle berechnen sich aber zu rd. Etwa 600 – 100 M. Demnach würden die Kosten eines Saales betragen: beim Korridorsystem rd. 18 000 bis 18 500 M., beim Pavıllonsystem 16 000 M. Es würde also der Saal beim Pavillonsystem um etwa 1400-1900 M. billiger zu stehen kommen. Die Zahlen beweisen, dass im gegebenen Falle zu den übrigen Vortheilen des Pavillons noch der der finanziell günstigeren Gestaltung des Unternehmens tritt.

Auch die Heizungsversuche haben infolge der gewählten Konstruktionsart zu einem günstigen Ergebniss geführt. Trotz der von allen 4 Seiten freien Lage der einzelnen Pavillons und trotzdem die Räume noch nicht völlig ausgetrocknet waren, wurden bei 2 ½maliger Lufterneuerung in 1 Stunde und 0 Grad Aussentemperatur in der Winter-Heizperiode, also an 150 Heiztagen von rd. + 2 Grad R. mittlerer Wintertemperatur nur 3,2 cbm Gas für 1 cbm beheizten Raum des Pavillons erforderlich.

Volksschulhaus-Anlage nach dem Pavillonsystem in Ludwigshafen a. Rh.

Das Gelände, auf welchem die Kolonie erbaut wird bezw. zumtheil erbaut ist, umfasst ein völliges Bauviertel im hiesigen Erweiterungsbezirk der Stadt von der Gestalt eines nahezu gleichseitigen Dreiecks von etwa 14 600 qm Flächeninhalt. Obwohl augenblicklich noch ziemlich an der Aussenseite des bebauten Gebietes gelegen, wird bei der fortschreitenden Bauthätigkeit nach Verlauf weniger Jahre die Kolonie völlig umbaut sein. Das Grundstück wird auf allen 3 Seiten von Strassenzügen begrenzt und es sind demselben an der nördlichen und östlichen Ecke nach dem Bebauungsplan noch freie Plätze vorgelagert. Von der gesamnıten verfügbaren Fläche von etwa 14 600 qm werden 4500 qm überbaut, so dass auf Wege und bepflanzte Flächen um die Gebäude herum sowie für mit Bäumen zu bepflanzende Spielhöfe und den Turnplatz noch rd. 10 100 qm entfallen.

Die Stellung der Gebäude ist eine solche, dass die von nur einer Seite beleuchteten Schulräume Licht von Norden, Südosten oder Südwesten erhalten, wohingegen die beiderseits beleuchtete Turnhalle ihr Licht von Norden und Süden empfängt. Die Klassenräume sind mit Ausnahme der einen Strassenfront den Strassen abgekehrt. Die Gebäude stehen 5 m hinter der Baufluchtlinie zurück. Zwischen den einzelnen Gebäuden liegt für je eine beschränkte Anzahl von Klassen der Spielhof, der so eingerichtet ist, dass er zur Winterzeit als Platz zum Schlittschuhlaufen benutzt werden kann, Das Gelände ist auf verglichene Strassenhöhe aufgefüllt und liegt vom tiefsten Punkte noch rd. 2,7 m über dem höchst beobachteten Grundwasserstand, der sich bei der Ueberschwemmung des Jahres 1882 ergab.

Die Gebäude zerfallen in 2 Gruppen, in solche mit einem Stockwerk und 2 Klassenzimmern und in solche mit 2 Stockwerken und 4 Klassenzimmern.

Die eingeschossigen Gebäude, von denen einschliesslich der Turnhalle 15 geplant und bis jetzt erstellt sind, enthalten einen kleinen Vorplatz mit Windfangthüre, einen geräumigen breiten Korridor, der mit zur Kleiderablage dient, 2 Klassenzimmer von je 70 qm Grundfläche bei 4,3 m lichter Höhe, welche somit bei der Normalzahl von 60 Schülern für je einen Schüler 1,16 qm Grundfläche und 5 cbm Luftraum bieten; ausserdem sind vorhanden in jedem Gebäude 1 Lehrerzimmer für die beiden Lehrer von 9 qm Grösse, 1 Lehrer und 2 Schüleraborte sowie ein Pissoir, sämmtlich vom Vorplatz aus zugänglich; ausserdem ein etwa 9 qm grosses, nur vom Schulhof aus zugängliches, also hauptsächlich nur während der Pausen zu benutzendes Pissoir. Die sämmtlichen Räume sind nicht unterkellert; der Fussboden liegt 0,70 m über dem umliegenden, im Mittel 0,70 m hoch aufgefüllten Gelände; die Fundamenttiefe vom Fussboden der Räume ab bis Unterkante Fundamentsohle ist gering und es sind die Fundamente aus Bruchstejnen mit Schwarzkalkmörtel auf Zementbetonsohlen gemauert. Um gegen Feuchtigkeit und Kälte den Fussboden von unten her zu schützen, ist folgende Herstellungsweise gewählt worden. Das Gelände wurde innerhalb der Umfassungsmauern bis etwa 0,20 m unter Fussbodenhöhe mit grobem Kies aufgefüllt, darüber kam eine 0,12 m starke Zementbetonschicht mit ebener wagrechter Mörtelabgleichung, worauf dann 4 cm starke Korksteinplatten DRP. in Pech verlegt wurden; den oberen Abschluss bildet ein etwa 1-1,5 cm starker geglätteter Verputz ‘aus Gipsmörtel, worüber Linoleum gelegt wird. Die Korridore und Vorplätze erhalten statt des Linoleums einen Asphalt-Fussbodenbelag von 1,5 cm Stärke ohne Korkunterlage. Die Mauern selbst sind gegen aufsteigende Bodenfeuchtigkeit durch Asphaltirung geschützt.

Die 1 ½ Stein starken Umfassungswände sind auf der Innenseite mit 4 cm starken Korksteinen DRP. bekleidet und darüber mit Gips verputzt und geglättet. Das Mauerwerk ist in seinen Ansichtsflächen mit weissen und rothen Maschinensteinen I. Kl. verblendet unter sparsamer Verwendung von blassrothen Pfälzer Sandsteinen und das Sockelmauerwerk ist im Bruchsteinen mit Verblendung von gespitzten Bruchsteinen und gestocktem Granit ausgeführt. Die Dacheindeckung erfolgte mit Falzziegeln in 2 Farben. Die Decken aller Räume sind nur aus 6 cm dicken, an dem zwischen die Dachbinder eingeschobenen 6/14 cm starken Gebälk angenagelten Korksteinplatten DRP. gebildet, auf der Innenseite mit Gips glatt verputzt auf der Aussenseite mit einem Putz von Zementkalkmörtel versehen.

Sämmtliche Räume haben Doppelfenster erhalten und es sind die äusseren Fenster in Eichen-, die inneren in Forlenholz zur Ausführung gekommen. Die Fensterlichtfläche zwischen den Gewänden gemessen beträgt 16 qm für ein Klassenraum; nahezu ¼ der Grundfläche einer Klasse. Für die Beheizung der Räume ist Ofenheizung vorgesehen und es werden voraussichtlich, da die Probeheizung mit Gas zu einem günstigen Ergebniss geführt hat, Gasöfen zur Aufstellung gelangen. Die Kamine der Oefen bestehen aus in den Wänden eingemauerten 0,12 bezw. 0,15 weiten glasirten Thonröhren. Für jeden Klassenraum, sowie für den Korridor werden 2 Oefen aufgestellt, denen die frische Aussenluft unter dem Fussboden durch Thonrohre zugeleitet wird; durch den inneren Zylinder des Ofens hindurchstreichend erwärmt sich dieselbe und strömt auf etwa 50°-60° erhitzt nach oben rd. 1,90m über dem Fussboden aus. Abluftkamine sind für jeden Klassenraum 3 und für den Korridor 2 zur Ausführung gebracht. 2 der Abluftkamine eines Klassenraumes liegen an der Aussenwand in den Fensterpfeilern und sind zur Vermeidung zu starker Abkühlung mit Korkstein DRP. ausgelegt. Der 3. Abluftkamin in der Korridorwand wird d das darin befindliche thönerne Abzugsrohr des Korridorofens angewärmt. Die Abluftkamine in der Aussenwand werden oberhalb der Saaldecke auf dem Gebälk aufruhend aus, Korksteinen D.R P. gebildet, leicht ansteigend nach dem Abluftkanal in der Trennungswand zwischen Korridor und Klassenraum geführt, von wo aus sie, alle zu einem Kamin vereinigt über das Dach gehen. Die Abluftkamine haben solche Abmessungen erhalten, dass, wie bereits durch Versuche bestätigt, bei 0° Aussentemperatur und 15° Innentemperatur 2 ½ malige Lufterneuerung in 1 Stunde in den Klassensälen stattfindet. Wenn die Wandstärken auch hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit vollauf genügen, so wäre doch zu befürchten gewesen, dass bei den allseits freistehenden Gebäuden nicht hinreichend Schutz gegen Temperaturdifferenz geboten sei, wie auch die gleiche Befürchtung bei den nicht unterkellerten Räumen hätte Platz greifen dürfen. Zur Vermeidung dieser Uebelstände dient die erwähnte Verkleidung mit Korksteinen, deren Wirkung durch die folgenden Zahlen zur Genüge beleuchtet wird. Während 1 qm Wandfläche aus Backsteinen 12 cm stark in 1 Stunde und für 1 Grad Temperaturdifferenz 3,32 Wärme-Einheiten transmittirt, geschieht dies bei 4 cm starkem Korkstein DRP. in weit geringerem Maasse; die Wärmetransmission beträgt hierbei unter denselben Verhältnissen nur 0,72 Wärme-Einheiten, also etwa 1/5. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vortheil der Korksteinverkleidung liegt in der Möglichkeit des raschen Anheizens der Räume, da sie bis zum Eintritt in den Beharrungszustand nur eine ganz minimale Menge der Wärme verbraucht, die bei nicht bekleideter Wand für Erwärmung der Backsteinwand aufgewendet werden müsste. Da die Gasheizung nur bei rationeller Anwendung mit Kohlenheizung in Konkurrenz treten kann, so ist die ausgeführte Konstruktion hierzu besonders geeignet.

Die Isolirung der Wände, des Fussbodens und der Decke in Verbindung mit den Doppelfenstern und den eingebauten für Unbefugte unzugänglichen automatischen Temperaturreglern bei den Gasöfen, wodurch eine Regelung der Temperatur seitens der Lehrer oder Schüler ausgeschlossen ist, hat denn auch zu dem schon erwähnten günstigen Ergebniss der Heizungsversuche geführt. Bezüglich der inneren Einrichtung wäre noch zu erwähnen, dass Decken und Wände tapezirt werden sollen. Das Holzwerk der Thüren, Fenster und Möbel ist lasirt.

In jedem Klassenraum gelangen in 3 Reihen zusammen 31 zweisitzige Blinke nach System Rettig zur Aufstellung, die neben ihren sonstigen Vorzügen durch ihre leichte Umlegbarkeit eine gründliche und leichte Reinigung der Räume ermöglichen.

Die künstliche Beleuchtung für die Winterzeit wird in jedem Klassenraum durch 9 Auer’sche Gasglühlichter mit Reflektorscheiben bewirkt; die Flammen werden vom Korridor aus gleichzeitig angezündet und gelöscht, sodass eine Störung des Unterrichtes durch Betreten der Klassenräume völlig ausgeschlossen ist. Im Korridor befindet sich ein Zapfhahn der Wasserleitung mit Ausgussbecken und Trinkbecher, ausserdem ist die Wasserleitung zu den Klosets, die theils als „Unitas-“ theils als Trogklosets ausgebildet sind, sowie zu den Pissoirs geführt, um eine kräftige Bespülung dieser Anlagen im gesundheitlichen Interesse durchführen zu können.

Anschliessend an die eingeschossigen Gebäudegruppen wäre noch die Turnhalle zu erwähnen. Dieselbe liegt am südlichen Ende des Platzes; es ist ihre Stellung, sowie die Lage des Turnhofes so gewählt, dass eine Störung des Unterrichts in dem zunächst gelegenen Schulgebäude nicht stattfinden kann. Dieselbe hat die gleichen Abmessungen erhalten wie ein Schulpavillon. Korridor, Lehrerzimmer, Pissoir kommen in Wegfall und werden zum Turnsaal hinzugenommen, so dass derselbe eine Länge von 20,3 m bei 10,3 m Breite erhalten hat, bei einer Lichthöhe von 6 bezw. 7,70 m. Der mittlere Theil der Halle ist unterkellert und es können bei Benutzung der Turnhalle zu anderen Zwecken dahin erforderlichen Falles die transportablen Geräthe verbracht werden. Der Fussboden liegt 0,17 m über dem umgebenden aufgefüllten Gelände: die Decke ist unmittelbar an die Sparren und Zargen des Dachstuhls angehängt, so dass nur der mittlere Theil derselben wagrecht ist, während die seitlichen Theile der Dachneigung folgen. Die Decke selbst ist mit Korksteinen DRP. und Gipsüberzug isolirt; diese Platten sind auf der hölzernen sichtbaren Decke der Halle aufgelagert. Im Uebrigen ist die Ausbildung dieselbe, wie bei den Schulpavillons, nur mit dem Unterschied, dass statt des Linoleums auf den Korksteinen des Fussbodens 15 mm starker Asphaltüberzug gewählt worden ist, wodurch ein sehr elastischer und doch sich wenig abnutzender Fussboden erstellt ist.

Zweigeschossiger Pavillon mit ausgenutztem Untergeschoss

Die zweite Gebäudegruppe umfasst die 2 geschossigen deren imganzen 3 errichtet werden, und zwar je eins an den abgeschrägten Ecken des Grundstückes nach den bereits erwähnten freien Plätzen zu und das mittlere Gebäude. Sämmtliche 3 Gebäude sind unterkellert, das mittlere enthält im Keller das Schulbad zur gleichzeitigen Abbrausung von c33 Schülern, im Erdgeschoss die Wohnung des Hausmeisters, ein Zimmer für den Lehrerobmann, Konferenzzimmer und Aborte, sowie das vom Hof aus zugängliche Pissoir, im Obergeschoss 2 Klassenräume, Lehrer- und Lehrmittelzimmer; die beiden anderen 2 geschossigen Gebäude enthalten in beiden Stockwerken je 4 Lehrsäle, Lehrer- und Lehrmittelzimmer und Aborte. Die Grössen-, Höhen- und Lichtverhältnisse sind die gleich günstigen, wie überhaupt alle Einrichtungen und Ausstattungen auch hier dieselben sind wie bei den eingeschossigen Pavillons. Die Korridore dienen mit zur Kleiderablage, die Treppen sind massiv. Die Fassaden sind in etwas reicherer Weise ausgebildet, als bei den eingeschossigen Gebäuden. Das mittlere Gebäude, das die Hausmeisterwohnung enthält, ist so gelegen, dass der Hausmeister von seiner Wohnung aus den einzigen Zugang zur ganzen Kolonie übersehen kann.

Die ganze Anlage wird mit eisernem Geländer auf steinernem Sockel eingefriedigt und unmittelbar hinter dem Geländer mit Gebüsch bepflanzt. Ausser dem schon erwähnten Eingang sind noch eine Anzahl von Ausgängen vorgesehen, die vom Hausmeister kurz vor Schluss des Unterrichts geöffnet werden. Die in etwa 3 m Breite angelegten Wege erhalten einen Belag aus Gipsasphalt, so dass für gute Reinhaltung und Abtrocknung derselben in Verbindung mit der Wasserleitung und Kanalisation bestens Vorsorge getroffen ist.

Die Wasserleitung ist in die Gebäude eingeführt; ausserdem ist durch eine Reihe über das ganze Gelände vertheilt angebrachter Hydrantbrunnen und Hydranten sowohl für das Bedürfniss der Schüler und das Besprengen der Schulhöfe und Bepflanzungen in ausreichendem Maasse Vorsorge getroffen, wie auch im Falle eines ausbrechenden Brandes dem Feuer wirksam entgegen getreten werden kann.

Gesammtansicht der ausgebauten Anlage (Nach dem Modell)

Eine Anzahl noch aufzustellender Laternen ermöglicht gegebenen Falles auch eine angemessene Beleuchtung zur Nachtzeit. Baumpflanzungen an allen Wegen, sowie auf dem Spielhofe und Turnplatz, soweit dadurch das Licht der Klassenräume nicht beeinträchtigt wird, sowie Anpflanzungen um die Gebäude herum vervollständigen die Anlage.

Die Kosten der Gesammtanlage beziffern sich wie bereits erwähnt auf 631 000 M.

Hiervon entfallen auf

I. Gebäudea) 14 eingeschossige Pavillons mit je 2 Klassenräumen, Lehrerzimmern, Aborten usw. sammt inneren und Heizungs-Einrichtungen, Gas- und Wasserleitung zu je 20 300 M.284 200 M.
I. Gebäudeb) 2 zweigeschossige Eckpavillons mit je 4 Klassenräumen, Lehrer- u. Lehrmittelzimmer, Aborten usw. mit inneren und Heizung-Einrichtungen, Gas- und Wasserleitune zu je 45 000 M.90 000 M.
I. Gebäudec) Ein 2geschossiger Mittelpavillon mit Brausebad im Keller, Hausmeisterwohnung, Verwaltungsräumen und Aborten im Erdgeschoss, 2 Klassenräumen, Lehrer- und Lehrmittelzimmer im Obergeschoss, sammt innerer und Heizungs-Einrichtung, Gas- und Wasserleitung.47 000 M.
I. Gebäuded) Turnhalle sammt innerer und Heizungs-Einrichtung, Gas- und Wasserleitung.25 000 M.
II.Bauplatz103 000 M.
III.Auffüllung und Planung10 000 M.
IV.Einfriedung18500 M.
V.Kanalisation17 000 M.
VI.Wasserleitung sammt Hydrantenbrunnen und Hydranten3 000 M.
VII.Gaszuleitung1 700 M.
VIII.Wegebefestigung24 000 M.
IX.Baumpflanzungen und Anlagen2 600 M.
X.Insgemein5 000 M.
Summa631 000 M.

Mit dem Bau der Anlage wurde am 4. September 1895 begonnen; von den Pavillons ist am 1. Mai der eine provisorisch bezogen worden; 16 Klassensäle, Hausmeisterwohnung und Turnhalle sind am 15. September d. J. bezogen worden.

Möge die Anlage der Schule zum Segen und der Stadt zur dauernden Freude gereichen!

Dieser Artikel erschien zuerst am 19.12.1896 in der Deutsche Bauzeitung.